Welcome to Kazakhstan!
von Warschau nach Almaty
Zu meinem 50. Transportjubiläum verewige ich mich nun auch mal in den Memoiren des Ontime-Forums. (Außerdem habe ich hier in Istanbul ein bisschen Zeit zum Schreiben, bevor es zurück nach München geht.)
Hier erst mal die Eckdaten zur Übersicht:
Zeitraum: 25.02.2026 bis 01.03.2026 (inkl. einer privaten Verlängerungsnacht)
Routing der Flüge: MUC – WAW – IST – ALA – IST – MUC
Airlines: 1x LOT, 4x Turkish Airlines
Nach einer Übernachtung in einem Hotel in Schwabing hole ich zunächst die Transportbox bei Ontime um kurz vor 7 Uhr ab, bevor es an den Flughafen geht. Vor dem Flug mit LOT in einem Embraer Jet E190LR stärke ich mich in der LH Lounge mit einem kleinen Frühstück.
Am Flughafen in Warschau angekommen, nehme ich den Vorstadtzug zum Hauptbahnhof (Warszawa Centralna). Im Gegensatz zum Bus gibt es weniger Zwischenstopps und (fast) die Garantie auf einen Sitzplatz. Zudem ist man vom Bahnhof schneller im Einkaufszentrum „Złote Tarasy“ mit dem großen Carrefour-Supermarkt im Untergeschoss. Dort decke ich mich mit ein paar Lebensmitteln ein und laufe dann zum „Sofitel Victoria“, einem noblen Fünf-Sterne-Luxusschuppen, gut 15 Minuten Fußmarsch entfernt. Ontime hat mir zum 50. Transport einen 200-€-Hotelgutschein geschenkt und ein Wellnesspaket draufgepackt … Nein, leider nicht 😊 Ich habe auch „nur“ die derzeitige Hotelpauschale von „90“ Euro zur Verfügung, doch wenn man es clever anstellt, kommt man fast an diese Pauschale heran. Ihr braucht in diesem Fall eine Mitgliedschaft bei der Accor-Hotelgruppe und müsst Inhaber einer „Travel Industry Card“ der Reisewirtschaft sein. Wenn man das Upgrade auf ein Superior-Zimmer mit einrechnet, kommt man so auf einen Rabatt von 46 % des Originalpreises. Gerade bei so einem kalten und grauen Schmuddelwetter kann das Hotel mit einem herrlichen Pool, einem schicken Ruhebereich und Saunen einen netten Gegenpol setzen.

Um 12:30 Uhr laufe ich ein bisschen durch die Altstadt, besuche das historische Museum „Muzeum Warszawy“ und stärke mich mit einer „Zapiekanka“.
Am Rande zwei Sightseeing-Tipps, die etwas außerhalb des Zentrums liegen:
Für Technikbegeisterte: „Muzeum Polskiej Techniki Wojskowej“ mit unzähligen Panzern und historischen Kampfjets der Marken Sukhoi, Mikoyan (MiG), Iljuschin oder Tupolew.
Wer es gediegener mag, dem empfehle ich den Wilanów-Palast („Muzeum Pałacu Króla Jana III w Wilanowie“), ein herrliches Schloss mit Barockgarten.
Die Abholung am nächsten Tag klappt (wie bisher immer in Warschau) einwandfrei.
Um 19:20 Uhr geht mein Flug nach Istanbul in einer Boeing 737-900 MAX der Turkish Airlines. Obwohl der Flug pünktlich ist, muss ich mich in Istanbul ganz schön sputen, um zum Gate zu kommen. Zuvor hatte sich kein Verantwortlicher bei der Sicherheitskontrolle gefunden, der meine Unterlagen kontrollieren konnte. Nach 12 Minuten Wartezeit wurde ich dann von ihm durchgewunken. Seine einzige Frage: „Woher kommen Sie?“ Am Gate frage ich höflich nach, ob ich ein „Preboarding“ machen dürfte. Damit habe ich die Büchse der Pandora geöffnet. Der Airline-Mitarbeiter möchte in die Unterlagen sehen, weiß sich aber nicht zu helfen. Kollege 2 kommt dazu und meint, es solle jemand kommen, der sich „damit“ auskennt. Kollege 3 kommt dazu. Dieser ruft Kollegen 4 an, der eine Information von Kollege 5 erhält. Am Ende die entscheidende Frage: „Ice in the box?“„No, Sir“, antworte ich – und habe damit den Jackpot gewonnen. Alle atmen auf, alle sind erleichtert, alle freuen sich, alle lachen. Ich gewinne lauter neue Freunde. Selbstverständlich darf ich mich als Allererstes in der Warteschlange der Business Class positionieren. Mein neuer Freund sucht mir noch einen besseren Platz ohne Sitznachbarn heraus und wünscht mir alles Gute.
Der Anflug auf Almaty ist spektakulär. Am Horizont blickt man auf die schneebedeckten Gipfel der Transili-Alatau-Berge, einem Teil des mächtigen Tian-Shan-Gebirges. 25 Kilometer liegt Almaty von Kirgisistan entfernt, ca. 250 Kilometer sind es bis nach China.
Die Ankunft am internationalen Terminal (welches erst 2024 eröffnet wurde) gestaltet sich unproblematisch. Ein Visum ist bis zu 30 Tagen Aufenthalt nicht notwendig. Auch die Grenzschutzbeamten machen kurzen Prozess bei der Einreise, ohne Fragen zu stellen, und verzieren mir mit einem Stempel meinen Reisepass. Am Ausgang werde ich schon von einer Ärztin erwartet. Mein Name und ein Foto von mir sind auf einem DIN-A3-Plakat unweigerlich für jeden zu erkennen. Wir begrüßen uns recht herzlich. Ich sage ihr auf Englisch, dass ich etwas aus der Übung bin mit meinen kasachischen Sprachkenntnissen. Sie grinst und meint, wir könnten ja weiter auf Russisch reden. Touché. Wir laufen zu einem alten, sowjetischen Krankenwagen vor dem Terminal. Dort wartet schon ein Fahrer, der uns mit Blau- … äh Gelblicht und Sirene zum Krankenhaus fährt. Ich werde dem Arzt Herrn Engali vorgestellt. Er spricht recht gut Englisch, kennt den Vorgang recht gut und weiß, was zu tun ist. Die Übergabe ist professionell. Am Ende fragt er mich, in welchem Hotel ich übernachten werde, ordert und bezahlt ein Taxi und begleitet mich auch noch dorthin.
Die Unterkunft, das Hotel „Uyut“, hat mir Nils empfohlen – kein Hotel einer westlichen Hotelkette, sondern eine landestypische Einrichtung. Immerhin ein Vier-Sterne-Haus, das im Gegensatz zu Warschau auch kostentechnisch im Ontime-Budget bleibt. Aufgrund der frühen Ankunft – es ist kurz vor 10 Uhr – muss ich noch für einen „Early Check-in“ bezahlen, bekomme dafür aber noch ein Frühstück.
Wer nach Almaty reist, sollte unbedingt für mindestens eine Nacht verlängern. Wer nur Almaty gesehen hat, dem ist das Beste entgangen. Doch dazu gleich mehr.
Nach einem Nickerchen, das leider zu einem längeren Schläfchen wurde, mache ich mich auf zum „Roten Halbmond“, dem islamischen Pendant zum Roten Kreuz. Um meine Karmapunkte noch ein bisschen „aufzumotzen“, kaufe ich 80 Zahnbürsten im Supermarkt und übergebe diese keine 15 Minuten später einem Verantwortlichen des „Roten Halbmondes“. Daraufhin anschließend ein nettes Gespräch über mich, Gott und die Welt und die praktische Frage, warum ausgerechnet die Handschuhe nie mitreisen, wenn man sie braucht. Gleich daneben liegt die Christi-Himmelfahrt-Kathedrale, die höchste aus Holz gebaute orthodoxe Kirche der Welt (oder für die russischen Forum-Leser: Вознесенск кафедралы шіркеуі). Die Kathedrale ist hübsch renoviert, und ein Besuch im Inneren ist ebenfalls recht aufschlussreich.Am Abend statte ich der Restaurantkette „Navat“ einen Besuch ab. Eine wirklich klasse Möglichkeit, landestypisch zu essen – und das auch noch in einem trendigen Ambiente. Wer also mal richtig Lust auf Pferdefleisch oder Hammel hat, ist hier goldrichtig. Natürlich gepaart mit „Kumys“, einer vergorenen Stutenmilch. Zur Info: Ich habe nur die Hälfte gegessen und mir dann „Chicken“ bestellt. Ich habe es zumindest versucht …
4 Uhr 20 Minuten: Der Wecker klingelt – aufstehen, marsch, marsch. Ich bin ja nicht zum Schlafen nach Kasachstan gekommen. Heute steht ein 15-stündiger Ausflug in die Berge bevor, den ich über booking.com gebucht hatte. Mit kindlicher Begeisterung warte ich auf den Van, der mich vom Hotel abholt. Zusammen mit dem Guide „Ali“ und unserem Fahrer sind nur noch drei weitere Personen dabei: ein lesbisches Pärchen aus Sankt Petersburg, Sebastián aus Kolumbien und ich. Wird bestimmt interessant. Ich kann rückblickend sagen, dass dies einer der besten Ausflüge war, die ich bisher unternommen habe. Die Fahrt durch einsame Steppenlandschaften, durch schneebedeckte Berge und Seenlandschaften war tatsächlich einzigartig. Dazu kamen die Fahrt mit einem Geländewagen und ein Ritt auf Pferden durch eine verschneite Gebirgslandschaft zu einsamen Seen. Konkret haben wir den Charyn-Canyon-Nationalpark besucht, den Kolsai-See und den Black Canyon. Das Bild wechselte ständig von einer alpinen Hochgebirgslandschaft über die mongolische Steppe bis zu den nackten Felsen des Charyn Canyons – dem nahezu identischen Abbild des Grand Canyons in den USA. Bevor ich zu theoretisch werde, lasse ich jetzt mal ein paar Bilder sprechen …











Übrigens: Mit Englisch kommt man gut weiter, Kreditkarten (Mastercard und Visa) haben funktioniert – sowohl beim Bezahlen als auch beim Geldabheben.
Ein toller Transport!

Was für tolle Erfahrungen! Vielen Dank für deinen spannenden Bericht. Als New, kann ich jetzt noch ein bisschen träumen.
Newcomer meinte ich…
Mega freu mich sehr für dich und danke, dass du dir die Zeit genommen hast, deine Erfahrungen und Empfehlungen uns hier so unterhaltsam niederzuschreiben!
Super toller Bericht, jetzt wird der Run auf diesen Transport erst richtig losgehen.
Florian – vielen Dank. Der Bericht macht Lust auch einen Transport dort zu beenden. Danke
Großartiger Bericht – Vielen Dank dafür! Ich freue mich immer, wenn ich in der Zeit zwischen zwei Transporten, von den Abenteuern der Kolleginnen und Kollegen lesen darf. Nach Almaty möchte ich nach dieser Lektüre nun auch unbedingt!