Vorletzte Woche war ich zum Ausliefern in Johannesburg oder Joburg oder Jozi ;-), drei Namen – alles dieselbe Stadt. Da ich insgesamt drei Nächte dort geblieben bin, hatte ich Zeit, zwei tolle und extrem eindrucksvolle Touren zu machen, die ich mit gutem Gewissen weiterempfehlen kann.
1. Fahrradtour durch Soweto (kurz für: SOuth WEstern TOwnship)
One Day Africa ist eine kleine Firma, die u.a die Radltouren durch Soweto anbietet. Wobei gesagt werden muss, dass das Radl in Joburg und Umgebung nicht unbedingt zu den meist benutzten Fortbewegungsmitteln gehört und dementsprechend samt Fahrer*in von den Bewohnern bestaunt und kommentiert wird ;-). Ich hatte – wieder mal – Glück und war nicht nur der einzige Gast, sondern hatte auch den besten, nettesten und offensten Guide ever: Dumi, gerade mal 20 Jahre alt, aber seine Seele war definitiv älter und weiser. Mit ihm hab ich letztendlich gut 5 Stunden verbracht. Erst hat er mir die Basics der Geschichte Südafrikas und vom Aufstand in Soweto 1976 erzählt, in dessen Folge über 500 Menschen starben, dann ging es rauf auf die Räder. Fixie Bikes in gutem Zustand, aber ohne Gangschaltung (Soweto ist hüüügelig) und mit rennraddünnen Rädern ohne Profil – aber mei, dachte ich, wird schon schiefgehen.
Auf unserer Tour haben wir verschiedene Stopps gemacht, u.a. beim Haus von Nelson Mandela und bei den bemalten Orlando Towers, aber das schönste Erlebnis war definitiv, einfach nur im Sonnenuntergang durch Soweto zu radeln. Und das bewegenste, dass ich auch noch die Möglichkeit hatte, mit einem jungen Mann, der dort wohnte, durch ein offiziell illegales Settlement zu laufen und mir einen Eindruck von den Bedingungen zu machen, unter denen die Menschen dort leben. Ein paar der Bewohner bieten das an, um ein bisschen Geld für die Gemeinschaft einzunehmen. Ganz ehrlich, man wird so was von demütig, wenn man das mit eigenen Augen gesehen hat. Zum Abschluss waren Dumi und ich noch in einer Kneipe und haben mit Bier, Soweto Gold, absolut genießbar, auf diesen wunderbaren Nachmittag angestoßen.
Kontakt: www.onedayafrica.com/johannesburg, Kosten für die Biketour: 650 ZAR.
2. Safari im Pilanesberg National Park
Wo ich schon mal in Afrika war, wollte ich auch Tiere sehen, große Tiere bitte schön. Beim Recherchieren fand ich heraus, dass es immerhin einen National Park in der Nähe von Joburg/Pretoria gibt und stieß auch bald auf Weekday Safari, eine Ein-Mann-Firma, die Tagesausflüge anbietet. Klar, billig ist was anderes, hab ich mir gedacht, aber wer weiß schon, wann ich wieder die Möglichkeit haben werde, Giraffen und Co zu sehen. Es gab übrigens durchaus günstigere Angebote (die beinhalten aber zum Beispiel nur zwei Aufahrten à 2 Stunden in so einem Safariwägelchen mit anderen 5 Personen), aber ich bin so was von glücklich, den Tag mit Quartus verbracht zu haben.
Wie verabredet wartete Quartus um 4:30 morgens vor meiner Unterkunft auf mich (er unglaublich wach, ich unglaublich müde), dann ging es los, im Stockdunkeln ohne Straßenbeleuchtung auf die Ausfahrtstraße von Joburg. Schon das ein Abenteuer – aber zum Glück tragen die meisten Leute, die um diese Zeit draußen unterwegs sind, Kleidung mit Reflektorstreifen. Wieder war ich der einzige Gast, ich glaube, er bietet die Tour immer nur für eine Gruppe an, und wenn die nur aus einer Person besteht, dann isses eben mal so. Um 7:00, kurz nach Sonnenaufgang, waren wir am Parkeingang, den Park verlassen haben wir um 18:00, als es dämmerte. In den elf Stunden dazwischen hat Quartus (ehemaliger IBMler) mit einer wunderbaren Ruhe und unglaublichem Wissen über Flora und Fauna alles dafür getan, dass ich einen unvergesslichen Tag hatte. Lunch war inklusive, daneben hatte Quartus im Wagen Snacks und reichlich Wasser und Kaffee für meine durchaus nötigen Koffeinshots zwischendurch dabei – er ist eher tabaksüchtig. Außerdem einen Feldstecher und eine etwas ältere Spiegelreflexkamera für mich. Letztere konnte ich nach Lust und Laune benutzen, die Bilder hat er mir gleich am nächsten Tag geschickt.
Auch wenn es laut Quartus nicht der „busiest day ever“ war, haben wir doch so einiges gesehen: Hippos, Rhinos, Giraffen, Elefanten, Nilpferde, Impalas, Zebras, Paviane und viele, viele Vögel. Unbestrittener Höhepunkt war, dass wir eine Stunde von einer Elefantenherde eingeschlossen waren, weshalb ich dementsprechend ausgiebig Elefanten beobachten konnte. Zum Einschlafen hab ich an diesem Abend dann mal nicht Schafe, sondern Elefanten gezählt.
Kontakt: Quartus, www.weekdaysafaris.com oder Insta: weekdaysafaris oder whatsapp: +27825735828 – ach ja, gern Grüße von mir ausrichten! Der Tag hat 3300 ZAR gekostet.

