Dresden – Honolulu
Es gibt sie also tatsächlich doch: Aufträge nach Hawaii, die nicht am 1. April stattfinden. In meinem Fall wäre der April jedoch vermutlich wettertechnisch bequemer gewesen, da das Schneechaos vor Weihnachten meinen Reiseplan mehrfach komplett durcheinanderwirbelte. Aus dem Transport wurde somit der längste den ich bislang durchgeführt habe. Die Zeitspanne zwischen Abholung im CC und Auslieferung im TC erreichte 42,5 h – knapp unterhalb der Lebensspanne von Knochenmarktransplantaten.
Bereits die Abholung stand unter keinem guten Stern. Ich residierte ca. 2,5 km von der Uniklinik entfernt im Dresdner Hotel Smetana. Lt. Fahrplanauskunft fährt der Bus 74 (Richtung Johannstadt) ab Hepkeplatz (gleich hinter dem Hotel) ab 8:00 Uhr alle 20 Min., doch ich wartete ca. 35 Min. vergeblich auf den Bus. Offensichtlich war der 8:40er und der 9:00er Bus durch das Scheechaos einfach ausgefallen und ich musste um noch einigermaßen pünktlich zu kommen in anderer Form reagieren. Entsprechend waren leider auch Taxis Mangelware und so durfte ich die Strecke mit dem gesamten Gepäck im Eilspurt zurücklegen. Die Uniklinik erreichte ich daher (durch mehrfache Ausrutscher im Schnee durchnässt) mit 5-minütiger Verspätung (9:35), worauf ich mir erst einmal eine Kaskade von Beschimpfungen des vorbestellten Limoservices anhören durfte („…ich warte schon seit 9 Uhr ! Das ist doch immer das gleiche mit Ontime“). Vorbestellt hatte ich den Service für 9:30 Uhr! Unbemerkt meiner leichten Verspätung begrüßte mich das freundliche Personal der Uniklinik um 9:45 mit dem Hinweis „es kann noch etwas dauern, wir haben heute etwas später mit der Entnahme angefangen“. Dies wiederum ließ zeitweilig meinen Abflug mit der Swiss um 11 Uhr mehr als fragwürdig erscheinen, doch die Übergabe konnte letztlich um 10:04 abgeschlossen werden.
Die regulär geplante Flugstrecke wäre DRS-FRA-SFO-HNL gewesen, mit Ankunft am selben Tag spät abends und mit 11h Zeitverschiebung. Dresden-Honolulu ist eben keine Rennstrecke.
Schon am Vorabend wurde ich per SMS von der LH informiert, dass mein Flug nach Frankfurt gecancelt wurde, es ging also nun über Zürich nach SFO. Allerdings hatte die Cirrus Airlines nach Zürich dann mehr als 2h Verspätung, nachdem sie bereits ebenfalls storniert und dann „wiederbelebt“ wurde, indem ein Cirrus-Flug nach Hamburg kurzerhand in einen nach Zürich umdeklariert wurde. Obwohl in Zürich die Anschluß-Swiss nach SFO lange gewartet hatte, sah ich dort nur noch die Maschine abheben, während ich praktisch zeitgleich landete. Von Zürich aus war nunmehr der Flieger nach Boston die letzte Möglichkeit, überhaupt noch über den Teich zu kommen. Somit ging es nach einer Zwischenübernachtung in Boston erst am nächsten Morgen weiter nach Chicago und schließlich mit der UA 1 (!) nach Honolulu. Dieser 9h-Flug gilt als Inlandsflug und deshalb gibt es maximal 1 Getränk, keine Snacks und keine Speisen. Snackboxen zum käuflichen Erwerb, die eher an Astronautennahrung erinnern kosten zwischen 6$ und 10$. Nach 5-stündigem Ausharren war ich „weichgespült“ und entschloß mich für die „Tapas-Snackbox“ für 8,95$. Die mit Reiseverpflegung bepackten Mitpassagiere hatten mich schon Schlimmes ahnen lassen.
Auf dem Flug nach Hawaii müssen spezielle Importdokumente ausgefüllt werden, da auf den abgelegenen Inseln strengere Einfuhrbestimmungen gelten als im Rest der USA. Gleiches gilt für die Ausfuhr, insbesondere bei Obst. Wehe dem, der mit Obst, Gemüse oder Pflanzen im Gepäck die Inseln betreten will bzw. verlassen: Es drohen noch deutlich höhere Strafen als in Festlands-USA, dazu auch noch Schadensersatz. Überdies kann man am „Halfway to Hawaii“-Game mitspielen, bei dem man 1 Reise nach Hawaii für 2 Personen gewinnt, wenn man unter den teilnehmenden Passagieren am genauesten die Uhrzeit nach halber Flugstrecke einschätzt. Der Pilot gibt als Hilfestellung Fluggeschwindigkeit, Gegenwind und andere Flugparameter durch. Die Crew ist zur Einstimmung mit Blumenkränzen und Hawaiihemden bekleidet. Ich landete am Honolulu International Airport, dem bedeutendsten innerpazifischen Luftfahrtdrehkreuz überpünktlich um 14:45.
Das Taxi braucht zum Hawaii Medical Center ca. 30 Min. bzw. 45 wenn man wie in meinem Fall im Berufsverkehr stecken bleibt. Dann heisst es Stop-and-go auf fünfspurigen Highways statt Schirmchencocktail am Strand, denn Honolulu ist eine US-amerikanische Großstadt wie Tampa oder San Diego. Nun ja, einige Vorzüge gibt es dann doch 😉
Die Produktübergabe erfolgte im klimatisierten Laborbereich des Medical Centers, wobei mich erstaunte, dass Teile des Krankenhauses Freiluftbereiche sind (z.B. Cafeteria, einige Krankenstationen…). Das Klima ist schließlich ganzjährig T-Shirt-tauglich, wobei es selten zu heiss oder zu kalt wird. Ca. 25 Grad hatte es bei meiner Ankunft. Wenn man bedenkt dass ich 2 Tage zuvor noch im Schneechaos herumgestolpert bin, ganz akzeptabel.
Für mich war das Ramada Waikiki Beach gebucht, d.h. in Laufreichweite zum berühmten Strand. Dieser ist zwar sehr touristisch, aber durchwegs von hochwertigen Hotels und Geschäften geprägt. Wer Hawaii schon kennt, wird sich durch die zahlreichen ABC-Stores wieder „zuhause“ fühlen. Aber es ist mal ein ganz anderes Gefühl, an einer Reggae-Strandbar mit Blick auf den Diamond Head Crater und dem Geräusch sanften Wellenrauschens das Abschlußbierchen (local: Longboard Lager) nach Auftragsabschluß zu geniessen. Vor Weihnachten sind die belebten Strassen von Waikiki bunt beleuchtet und die Fackeln entlang der Boulevards bringen einen exotischen Touch in die Szenerie. Trotzdem findet sich auch hier immer irgendwo ein Santa Claus, der gerne und kostenlos mit Touristen vor der Duke Kahanamoku Statue posiert 😉
Vom Hawaii Medical Center nach Waikiki bietet sich an mit dem Bus 13 zu fahren, der gleich beim Krankenhaus hält. Ob man ihn sinnvoll nutzen kann hängt davon ab, wo genau die Unterkunft gebucht ist. Der Bus 20 fährt zurück von Waikiki zum Internationalen Flughafen. Mit dem Busnetz liesse sich ein guter Teil der Insel Oahu erkunden, sofern man auf einen Mietwagen verzichtet. Alle Schedules und Maps sind unter https://www.thebus.org zu finden.
Ich wünsche allen nachfolgenden Kurieren viel Spaß auf Oahu, mehr Glück beim Hinflug und vor allem:
Passt immer gut auf die Wellen auf 😉
