Madras – Mamallapuram
Der LH-Flug von Frankfurt nach Chennai (Madras) erscheint mir trotz seiner 9 Stunden und 30 Minuten irgendwie kurz. Vielleicht liegt’s an der inneren Spannung und der Neugier auf das Unbekannte. Ich weiss es nicht so genau.
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Die Leute von der Immigration und Security begegnen mir überaus freundlich und bestens gelaunt. Da sie mit „Bone Marrow“ nichts anfangen können, winken sie mich breit grinsend durch, so dass ich schon wenige Minuten später vor dem Money-Exchange-Counter stehe, um meine Euros gegen Indische Rupien (INR) zu wechseln (Hinweis: Die Einfuhr von indischer Währung ist nicht erlaubt). ❗
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Vor dem Flughafengebäude werde ich dann von einer drückenden Schwüle und Hunderter wild gestikulierender Menschen empfangen, u. a. auch von der auf mich wartenden TC-Delegation. Die Fahrt durch den dichten Verkehr zumRadisson Blu ist kurz und unterhaltsam – nach ca. 10 Minuten sitze ich bereits in der Hotel-Lobby, um die Stammzellen an das sehr gewissenhafte Ärzte-/Labteam zu übergeben (Hinweis: Bitte unbedingt darauf achten, dass das Produkt am Hoteleingang nicht versehentlich zusammen mit dem Gepäck geröngt wird). ❗
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Die Nacht im noblen Radisson Blu (*****) ist kurz. Nach einem excellenten Frühstück mache ich mich mit dem Taxi auf den Weg ins ca. 60 Kilometer entfernte Mamallapuram („The Place where you can enjoy daily Indian life“). Die Fahrt dorthin (ca. 1 ½ Stunden, Fare: 1.350 INR) ist gepflastert von Elend und Not, Dreck, Fäkalien, Armut und einem Höllenverkehr. Nie zuvor habe ich so etwas Schreckliches gesehen, wie das hier. Je näher wir uns auf Mamallapuram zu bewegen, merke ich, dass der „Indien-Hardcore-“ in den „Indien-Light“-Modus wechselt. Plötzlich ist alles eine kleine Spur erträglicher. 😕
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Das Hotel „Mamalla Heritage“ im Fischer- und Steinmetzdorf Mamallapuram ist natürlich nicht mit dem in Chennai zu vergleichen, doch es ist sauber, einigermaßen gepflegt und für den Preis mehr als okay. Hier werde ich die nächsten 2 ½ Nächte verbringen. Doch zunächst einmal springe ich in den Pool, um mein Hirn etwas zu sortieren (…)
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Ich sitze im Taxi zurück zum Flughafen Chennai und lasse die letzten Tage Revue passieren … : 😐
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Klar, ich habe die Indien-Light-Version gewählt – aber selbst die ist nichts für Sensibilisten und Feiglinge. Auch in Mamallapuram herrscht große Armut, es gibt viele Bettler und Kranke – Kühe, Hunde, Ziegen und selbst Schweine vegetieren auch hier auf den Straßen neben all dem Müll vor sich hin, die Luft ist stickig, ständig fällt der Strom aus (…)
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Ich hatte mir gleich am ersten Tag ein Fahrrad geliehen, um mobil zu sein und die andere Seite Indiens näher kennenzulernen. Während meines Roadtrips besuchte ich den Küstentempel „Shore“ (der wohl älteste Steintempel Südindiens) sowie die „5 Rathas“ (monolithische Tempelgruppe). Ich stand staunend vor dem beindruckenden Flachrelief „Die Herabkunft der Ganga“ (Größe: 12 x 33m) und legte mich wagemutig unter „Krishnas Butterball“ (eine gigantisch große Felskugel, die jeden Moment ins Rollen kommen kann). Im „Sthalasayana Perumal Tempel“ wurde ich dann gesegnet oder heilig gesprochen (keine Ahnung), um wenig später selig am Golf von Bengalen (Sandstrand) entlang zu laufen und auf ein paar redefreudige Neo-Hippies zu treffen. Ein besonderes Highlight war es, den Steinmetzen beim Hämmern über die Schulter zu schauen und damit eine uralte Tradition einzufangen. Abends habe ich es dann sehr genossen, ein paar der kleinen Shops, Buden und Mini-Restaurants (Tipp: Buddha Cafe und Restaurant, No. 46 Otthavadai Street,https://www.buddhacaferestaurant.blogspot.com ) zu besuchen – und obwohl ich kein Freund der indischen Küche bin: Es hat mir überall ganz gut geschmeckt. Kurz vor meiner Abreise bin ich dann noch einmal zu dem „Alten Leuchtturm“ hoch, von hier hat man einen besonders schönen Ausblick auf die Stadt und das Meer (…)
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Mein Indien-Auftrag war ein Wechselbad der Gefühle (Rückflug über Doha nach MUC). Die Frage, ob ich wiederkommen werde, ist eindeutig mit „ja“ zu beantworten – schließlich muss sich ja für Ontime die Visa-Jahresgebühr von 93,87 EUR irgendwie rechnen (zu beantragen bei Cox and Kings, Bruderstr. 5a, 80538 München, Bearbeitungszeit: 72 Stunden). 😉
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So long,
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8) Ralph

10 Wochen später reiste ich erneut – mit Stammzellen in der Tasche – nach Chennai, Indien. Auch dieses Mal wurde ich am International-Airport Madras von einem Fahrer abgeholt. Anders als bei meinem 1. Indienauftrag ging die Fahrt diesmal nicht direkt ins Hotel, sondern ins ca. 13 km entfernte Apollo-Hospital (Fahrzeit: ca. 30 Minuten).
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Die Übergabe des Produkts gestaltete sich – wie schon beim letzten Mal – überaus freundlich und sehr professionell. Nach einer wilden Rechnerei auf seinem Taschenrechner, zeigte sich der behandelnde Arzt dann auch schnell sehr erfreut über Menge und Qualität, so dass er mich gut gelaunt zum wartenden Fahrer zurück begleitete, der mich dann ins nah gelegene Courtyard Marriott (564 Mount Road) chauffierte.
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Wie das Radisson Blu zählt auch das Marriott zu den besten Hotels der Stadt. Einerseits gut, da man für sein Geld einen hohen Standard und erstklassige Qualität erhält – andererseits schlecht, da die Preise an der Bar oder im Restaurant diesem Niveau angepasst sind. Nach einer Nacht schnappte ich mir ein Tuk Tuk und wechselte ins Raj Park Hotel, das nur die Hälfte kostet und meine Ansprüche und Bedürfnisse mehr als befriedigte (schöne Zimmer, internationales Restaurant, nette Bar, Roofpool, Free Wlan).
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Nachdem ich mir vorgenommen hatte, mich diesmal voll auf Indien einzulassen und mich nicht auf den Dreck und das Elend zu fokussieren, stürzte ich mich zwei Tage lang ins dortige Leben, immer darauf achtend, dem Weg der Erleuchtung etwas näher zu kommen. Um möglichst viel zu erleben, suchte ich mir erneut einen Tuk-Tuk-Fahrer (Raschid), der mich über die Tage hinweg begleitete und mir sowohl den touristischen als auch den „anderen“ Teil der Stadt zeigte. Wir besuchten u. a. den Madras High Court, Mylapore (ältestes Viertel der Stadt), die St. Thomas Basilica, Georgetown (Altstadt) und Fort Sant George – wir knatterten zur Marina Beach, dem zweit längsten Stand der Welt und waren zu Besuch in einem Ashram, bei verschiedenen Märkten und natürlich auch in einigen Slums. Selbstverständlich zeigte mir Raschid auch den St. Thomas Pole, die Stelle, an dem 2004 der schreckliche Tsunami einbrach und nahezu alles dem Erdboden gleichmachte, mit Ausnahme einer kleinen Kirche. Am Tag der Abreise fuhren wir dann noch in das Geschäft von Raschids Bruder, dem ich – als Erinnerung an diese Tage – eine schöne Heiligenfigur abkaufte.
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Erleuchtet wurde ich nicht, dennoch spürte ich Signale, die mich der Kultur, der Religion und dem Leben der Menschen dort etwas näher brachten und sich ja vielleicht auch positiv auf mein Karma auswirken … Man weiss es nicht so genau!
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So long,
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Ralph